Fahrenheit (Xbox)**

Game Status: 

Beendet.

Auf FAHRENHEIT stieß ich eigentlich erst durch die aktuelle Berichterstattung zu HEAVY RAIN, dem gerade in Entwicklung befindlichen Spiel des Herstellers Quantic Dream, das ja anscheinend neue Maßstäbe in Sachen interaktives Storytelling setzen soll. Und da Fahrenheit, das letzte Game von Quantic Dream, ja auch schon in diese Richtung schlug, und weil ich neuen Konzepten immer aufgeschlossen gegenüber stehe, wurde das Spiel gleich besorgt um selber Hand anzulegen.

Fahrenheit wurde als „interaktiver Film“, und weniger als klassisches Spiel konzipiert. Der erste Punkt im Titelmenü heißt somit auch nicht „Neues Spiel“, sondern „Neuer Film“, und im Tutorial erklärt Regisseur/Chef Entwickler David Cage die Steuerung selbst, was irgendwie den Charme einer Making-Of Doku hat. Das Spiel geht einen völlig cineastischen Weg und bedient sich in Sachen Präsentation hauptsächlich filmischen Stilmitteln, nur in wenigen Schleich Sequenzen fühlt sich Fahrenheit „klassisch“ an. Leider sind diese Momente auch ganz klar die spielerischen Tiefpunkte. Plötzlich ist man nicht mehr mitten im Geschehen, sondern muss in 3rd Person Flashback-Sequenzen auf einer Militärbasis den Blicken der Wachen ausweichen, was relativ lieblos umgesetzt wurde und spielerisch einfach keinen Spaß macht. Der Rest von Fahrenheit ist eigentlich ein einziger, großer Reaktionstest, indem es kaum Rätsel oder sonstige spielerische Herausforderungen gibt. Das klingt aber jetzt negativer als es ist, denn die gekonnte, filmische Inszenierung gibt dem Spieler wirklich das Gefühl, direkt am Geschehen Teil zu haben, und der durch die vielen Quick-Time-Events ausgelöste Zeitdruck zwingt einen dazu, wie im richtigen Leben schnell Entscheidungen zu treffen, die aber durchaus auch in die Hose gehen können. Leider ist das Eingabesystem etwas unglücklich realisiert: Auf zwei geviertelten Scheiben in der Mitte des Bildschirms werden die Richtungen angezeigt, die man mit den beiden Analog Sticks hintereinander drücken muss. Leider bekommt man dabei so gut wie nichts von der Action mit, die im Hintergrund abläuft, was schade ist, denn die Action Sequenzen wurden echt tadellos inszeniert und umgesetzt.

Die Grafik ist nach über 4 Jahren inzwischen leider schon etwas angestaubt, aber die dank Motion Capturing realisierten Animationen retten hier sehr viel, obwohl manche (Geh)Animationen und die Mimik der Charaktere doch sehr steif wirken. Dafür sind die (englische) Sprachausgabe und der Sound vom Allerfeinsten, erlauben sich nur wenige Ausfälle, und erzeugen eine dichte, melancholische Atmosphäre. Die deutsche Synchro ist ganz ok, kann der englischen aber bei weitem nicht das Wasser reichen. Am Besten spielt es sich einfach auf Englisch, gegebenenfalls mit Untertitel.

Fahrenheit ist kein Spiel wie man es kennt. Es ist gespieltes Storytelling. Das Geschehen wird nicht lieblos durch Texttafeln oder Cutscenes erzählt, sondern man erlebt es quasi am eigenen Leib. Man steuert abwechselnd alle Hauptcharaktere selbst und kann sich dadurch in alle Seiten hinein fühlen, was witziger Weise manchmal sogar so weit führt, dass man gar nicht weiter spielen will, weil man sonst der anderen Seite schaden könnte. Da Fahrenheit wie fast kein anderes Spiel von der Story lebt, möchte hier auch nichts über diese verraten. Es ist nur Schade, das es gegen Schluss dann doch etwas konfus wird und es irgendwie so wirkt, als wäre den Entwicklern die Zeit davon gelaufen. Mein Tipp: Die ersten ¾ des Spiels so gut es geht genießen, und sich nicht zu viel Gedanken über den Schluss machen und ihn halt so nehmen wie er ist.

Fahrenheit ist ein unvergleichliches, spielerisches Experiment, das man nur schwer mit anderen Spielen vergleichen kann. Wer Rätsel oder actionlastige Geschicklichkeits-Herausforderungen sucht, und dem das reine Erleben von Story zu langweilig ist, der wird mit Fahrenheit wahrscheinlich nichts anfangen können. Wer aber dazu bereit ist, sich auf das Spiel einzulassen, wird mit einem quasi unvergleichlichen Spielerlebnis belohnt.

Humerisches Fazit:
72 – 85%
Spielerisch besteht Fahrenheit fast ausschließlich aus Quicktime Events und sehr nervigen Stealth-Abschnitten, die Grafik ist durchwachsen und die anfangs packende Story schwächelt stark gegen Schluss. Doch die gewagte Andersartigkeit und die gelungene Inszenierung machen das Spiel zu etwas ganz besonderem.

[Artikel @ Wikipedia]
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