Faust (Stummfilm) *

Weil ich bei den Filmmusikaufnahmen zu FAUST mitgewirkt habe, durfte ich den Film bereits bei der Mitarbeiter Premiere sehen. Es handelt sich um einen Amateurfilm, der außer in den Zwischentiteln völlig ohne Sprache auskommt. Es ist das Ehrgeizige Projekt des jungen Regisseurs Philipp Hochhauser, der  über zehn Jahre an dem Projekt gearbeitet, und es fast vollständig privat finanziert hat. FAUST interpretiert der Tragödie erster Teil von Goethes Gedicht auf seine ganz eigene Weise: Die Schauspieler tragen ein offenbar an die “Mephistopheles” Verfilmung mit Klaus Maria Brandauer angelehntes Makeup, es gibt gedrehte Szenen in stets düsterer  Ausleuchtung und (computer)animierte Sequenzen. Und Stummfilm typisch wird, außer in den Zwischentexten, eben kein Wort gesprochen.Es ist nun etwas schwierig, über den Film ein Urteil zu fällen, da es sich ganz klar um ein Amateurprojekt handelt, das halt doch einige Anfängerfehler aufweist: So ist die Bildqualität fürs Kino leider zu schlecht (offenbar wurde hier nur mit einer DV Kamera gedreht), die Ausleuchtung der Bilder ist fast durchgehend zu dunkel und kontrastarm und die Schärfe stimmt oft nicht. Klar, das sind alles “nur” technische Details, aber sie trübten halt MEIN Filmerlebnis doch einigermaßen, deshalb kann ich sie hier nicht unerwähnt lassen. Die animierten Sequenzen wirkten anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, da sie sich stilistisch komplett mit dem Rest des Films schlagen, aber mit der Zeit entfalten sie gerade deswegen ihren ganz eigenen Charme. Und die Filmmusik von Alex Zlamal ist sowieso über alle Zweifel erhaben, obwohl sie für meinen Geschmack öfters mal einen Tick zu dramatisch ausfällt. Aber jetzt genug der kritischen Worte, im Anbetracht dass es sich um ein Amateurprojekt handelt, sind diese Mängel natürlich alle halb so schlimm. Natürlich muss auch erwähnt werden, dass es sich hier nicht um leichtes Popcorn Kino für  Zwischendurch handelt, man sollte sich den Film schon mit einer gewissen künstlerischen und anspruchsvollen Haltung anschauen.

Humerisches Fazit:

Extrem ambitioniertes Amateurprojekt mit hinreissender Musik und einigen sehr starken Momenten. Punkteabzug gibts nur für ein paar technische Mängel, die den Filmgenuss doch zu sehr trüben, um unerwähnt zu bleiben.

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PS: Wann und wie die Öffentlichkeit den Film zu sehen bekommen wird, ist noch unklar. Zur Zeit ist lediglich geplant, ihn auf verschiedenen Festivals zu zeigen.