Brütal Legend (360)**

Game Status:
Auf Normal durch


Es hätte so schön sein können. Ein Spiel, das sich thematisch rein dem Heavy Metal widmet, einem Musik Genre, dem ich schon seit frühester Kindheit verfallen bin. Ein Spiel von Tim Schafer, der sich mit der Mitarbeit bei den klassischen Lucas Arts Kult-Adventures einen guten Namen gemacht hat. Ein Spiel mit wunderbarem Art Design, wunderbaren Animationen, einer im Grunde guten Geschichte und viel innovativen Ideen. Es hätte so schön sein können. Ist es aber nicht. Bei Brütal Legend wurde versucht, verschiedene Genres in ein Spiel zu packen, wahrscheinlich um besonders innovativ, kreativ und abwechslungsreich zu erscheinen. Im Grunde ist das ja ok, aber wenn, dann sollte das ganze wirklich ausgereift sein bis ins kleinste Detail. Ist es leider aber nicht. Hätte Brütal Legend noch eine ein halbes Jahr, meinetwegen 3 Monate längere Entwicklungszeit genossen, wäre sicher noch einiges zu retten gewesen. Aber es ist halt nunmal nicht so, und nun ist ein Spiel mit großem Potential eine mittlere Enttäuschung geworden. Aber was ist denn nun so schlimm daran? Alle Punkte aufzählen würde hier den Rahmen sprengen, also konzentriere ich mich auf die, die mir am schmerzlichsten aufgefallen sind.

Die Story ist für sich ganz OK, wird aber durch filmische Cutscenes erzählt, die sich irgendwie nicht ins restliche Spiel einfügen wollen. So wirkt das ganze eher wie ein Film, den man in einzelne Teile zerschnitten, und dazwischen Spielszenen reingeklebt hat. Das ganze ist zwar gut erzählt, geht aber relativ flott voran, so dass man oft nicht gleich mitbekommt, was jetzt eigentlich los ist, und was das nächste Ziel ist. Anfangs versuchte ich noch, der Handlungslogik zu folgen, aber mit der Zeit gab ich auf, weil die aus den Zwischensequenzen gewonnen Informationen dann kaum etwas mit den im Spiel gestellten Aufgaben zu tun hatten. Irgendwie geht alles zu schnell. Wie gesagt, es wirkt eher wie ein durch eingestreute Spielsequenzen zerstückelter Film. Es gibt zwar Unmengen an freischaltbaren Lesestoff, aber ehrlich gesagt finde ich es sehr mühsam, wenn man sich da durchackern muss, um das Spiel  zu verstehen. Sowas sollte im Zuge des Spielverlaufs verständlich erklärt werden, und sonst nirgends.

Genre Mix. Brütal Legend will Action-Adventure, Hack ‘n’ Slay, Open-World, Rennspiel und Strategiespiel gleichzeitig sein. Und keines der Elemente überzeugt für sich wirklich. Die strategischen Bühnenschlachten, die den Hauptteil der Mainquest ausmachen, laufen immer gleich ab, und hat man endlich mal kapiert was zu tun ist,  sind sie auch nur wenig herausfordernd oder gar aufregend. Das Geschehen am Spielfeld ist chaotisch, und mangels einer strategischen Übersichtskarte verliert man leicht den Überblick. Noch dazu gibt es im ganzen Spiel keine Energieanzeige. Verliert man zu viel Energie, beginnt der Bildschirm rot zu pulsieren und der Sound wird “dünn”, bis man sich automatisch wieder erholt hat. Hat man es mit stärkeren Gegner zu tun, und/oder sind mehrere Gegner vorhanden (was sehr oft vorkommt), passiert es ständig, dass man sehr schnell stirbt (was übrigens keine negativen Folgen hat), und sich dabei sehr überrumpelt vorkommt. Wahrscheinlich wurde aus ästhetischen Gründen auf Anzeigen verzichtet, aber wenn man sowas macht, dann sollte das Gameplay wenigstens stimmen! Der ganze Spielverlauf wirkt so nur noch chaotischer.

Das Spiel wirkt einfach unfertig. Es ist zwar spielbar, und weist keine gröberen Bugs auf, aber der Feinschliff fehlt. Anfangs störte mich das nur wenig, aber mit der Zeit summieren sich die Kleinigkeiten auf und trüben den Spielspaß schon sehr. Außerdem gibt es grobe Mängel bei der Spielerführung: Man fühlt sich oft relativ nackt vor eine Aufgabe gestellt, und hat keinen blassen Schimmer was zu tun ist. Ich musste einige Male im Internet nachschlagen um herauszufinden, wie sich die Entwickler die Lösung der Aufgabe vorgestellt haben. Wenn ein Spiel derart viele Features und Möglichkeiten beinhaltet wie Brütal Legend, muss man den Spieler einfach konsequenter an der Hand nehmen, finde ich.

Die große Spielwelt ist zwar wunderhübsch und abgefahren umgesetzt, bietet aber sehr wenig Möglichkeit zur Interaktion. Die überall umherlaufenden Figuren haben nur beiläufiges Geschwafel auf Lager und außerhalb der Hauptquest ist es nicht möglich, von Spielfiguren Informationen zu erhalten, was die Spielwelt sehr leer und unpersönlich erscheinen lässt. Die wenigen Arten von Sidequests  laufen im Prinzip immer gleich ab und wirken aufgesetzt, unmotiviert und langweilen großteils. Es gibt zwar hunderte auf der Welt verteilte Dinge zu finden,  diese lösen aber leider keine Entdecker- oder Sammellust aus, sondern erscheinen eher wie eine lästige Pflicht (Wer bitte hat die Motivation, und woher nimmt er sie, alle 120 Drachenstatuten zu sammeln?).  Kurz: Es macht auf Dauer einfach keinen Spaß, sich in der Welt von Brütal Legend aufzuhalten. Zumindest mir nicht.

Ich finde es ist am Besten, sich von Anfang an gleich voll der Hauptquest zu widmen, und nicht zuviel Zeit dazwischen mit Erkunden oder Sidequests zu vergeuden. Die Hauptquest dauert zwar nicht besonders lange, aber wenigstens ist der Spielspaß so halbwegs konstant, und man verdirbt ihn sich nicht mit lästigen Pflichtaufgaben. Außerdem kann man das Spiel auch locker durchspielen, wenn man sich nur wenige Upgrades gekauft hat. Wozu dann überhaupt anstrengen? So viel zum Thema Balancing…

Brütal Legend ist jetzt kein Total-Ausfall. Die vielen liebevoll gestalteten Figuren, die zahlreichen nahmhaften Synchronsprecher aus der Metalszene, die tolle Musik und die großartige Phantasiewelt machen viel der Mängel einigermaßen wett. Mich ärgert aber der Gedanke am meisten, dass mit ein wenig mehr Feinschliff ein viel, viel, viel besseres Spiel daraus hätte werden können. Aber vielleicht kommt ja ein zweiter Teil, wo dann die Mängel ausgebügelt werden. Ich persönlich wünsche mir dafür die gleiche Spielwelt, aber in einer anderen Zeit, mit viel mehr Interaktion, Details und Storyelementen und Spieltiefe abseits der Hauptquest. Ja, das wäre fein 🙂

Was die Gameplay Elemete betrifft, wäre weniger definitiv mehr gewesen. Sehr schade eigentlich. Denn der verbleibende Rest des Spiels ist echt großartig. Man sieht selten so liebevoll gestaltete Figuren in einer so abgefahrenen Welt, und über 100 originale Metal-Songs hat ein Spiel auch nicht gleich mal zu bieten. Aber durch den chaotischen Genremix, den fehlenden Feinschliff und unzählige weitere Mängel, bleibt Brütal Legend leider nur ein durchschnittliches Spiel, dass fast vollständig von seinem genialen Charme und Art Design, und natürlich von der Musik lebt. Das sind halt auch die Punkte, die von Brütal Legend in Erinnerung bleiben werden, denn die mittelmäßige Spielerfahrung wird bald wieder vergessen sein.

humerisches Fazit:
70 – 82%
Zu viele Gameplay Elemente, von denen keines so richtig zündet, durcheinander gemixt, zu viele sich wiederholende Nebenmissionen und außer Sammelaufgaben kaum etwas zu entdecken, machen aus Brütal Legend eine kleine Enttäuschung, die aber wegen dem großartigen Art Style, dem guten Humor und natürlich dem Heavy Metal Faktor doch spielenswert ist. 

Artikel ist auch zu finden auf

[Artikel @ Wikipedia]
[<< LAST PLAYED Home ]

<p style=”text-align: justify;”>Artikel ist auch zu finden auf
<a href=”http://www.myconsol.net/blogs-detail-792.html” target=”_blank”><img class=”alignnone” src=”http://www.humepage.at/upload/pix/myconsol.jpg” alt=”” width=”109″ height=”30″ /></a>