Blade Runner*

Über BLADE RUNNER zu schreiben ist schwierig. Selten wird ein Film entweder so gehasst oder geliebt, wie Ridley Scotts Meisterwerk aus 1982. Ich verstehe beide Fraktionen, gehörte ich doch auch lange Zeit eher zu ersterer. Von einem Indiana-Jones-Han-Solo Harrison Ford in Kombination mit Science Fiction erwartet man einfach ein unterhaltsames Action Spektakel. Aber gerade das ist Blade Runner NICHT. Der Film ist immens langsam, die einzelnen Einstellungen versprühen mehr die Stimmung bewegter Gemälde, die alle für sich allein stehen könnten. Und genau hier liegt die erste Stärke des Films: Die intensive Stimmung, die sich einem aber nur erschließt, wenn man sich auf den Film einlässt. Die Szenenbildnerischen und kameratechnischen Leistungen sind beeindruckend, und natürlich tut auch die atmosphärische Soundkulisse und die Musik von Vangelis ihren Teil zur Gesamtstimmung. Leider werden die meisten Leute mit all dem nichts anfangen können, wenn sie die  zweite Stärke des Films nicht erfassen: Die grundlegenden und zentralen Fragen des Mensch-Seins. “More Human than Human”, das ist der Wahlspruch der Tyrell Coorporation, der Firma, die künstliche Menchen als Sklaven (Replikanten) herstellt. Was bedeutet Mensch-Sein? Ist ein künstlich hergestelltes Wesen, dass einem Menschen 1:1 gleicht, noch ein “künstliches Produkt”, über das der Hersteller (Schöpfer) nach eigenen Gutdünken verfügen und urteilen kann? Oder hat es doch das Recht, als dem Menschen gleichwertig gesehen und behandelt zu werden? Unendlich lange könnte man darüber nachdenken und diskutieren (und wird auch gemacht). Kein easy-cheesy Popcorn Kino also.

Der Plot von Blade Runner ist an sich extrem simpel aufgebaut, es gibt nur wenig Dialoge und ein jeder drittklassige B-Movie beinhaltet 10 mal mehr Actionsequenzen. Aber die Verbindung der langsamen Geschwindigkeit des Films mit der behutsam fortschreitenden Handlungsentwicklung und der durch die extrem intensiven Bilder erzeugten Stimmung zwingen einem schon fast dazu, beinahe einer Meditation gleich, über die Thematik nachzudenken,  darin zu versinken. Würde es an allen Ecken und Enden vor lauter Action und unterhaltsamen Szenen krachen, wäre dieser Effekt einfach nicht möglich. GENAU aus diesem Grund kann man Blade Runner nur lieben ODER hassen. Dem Freund des kurzweiligen Actionkinos, der möglichst nicht nachdenken sondern Spaß haben will,  ist er einfach zu langweilig. Öffnet man sich dem Film aber, und geht auf ihn ein, ist er eine wunderbare Erfahrung. Aber diese Anstrengung auf sich zu nehmen sind halt leider (heutzutage?) nur die wenigsten Leute bereit.

Als einzigen Kritikpunkt empfinde ich persönlich über weite Strecken die Synthesizer Musik von Vangelis. Ich bin kein Freund dieser Sounds, aber das ist halt reine Geschmackssache.

Humerisches Fazit:

Nachdem ich den Film lange Zeit selber nicht gemocht habe, ist der Funken endlich übergesprungen. Blade Runner ist weniger Unterhaltung, mehr ein Gesamtgefühl, dem man sich nicht “zwischendurch” hingeben, sondern sich richtig Zeit und Aufmerksamkeit dafür nehmen muss. Ist man nicht gewillt, beides dafür aufzubringen, sollte man sich den Film am Besten gar nicht erst ansehen.

Anmerkung: Ich sah den 2007ener Director’s Cut der 5-Disc Ultimate Collectors Edition, die es derzeit bei Libro um sagenhafte 10 Euro im Abverkauf gibt. –> Zuschlagen!! (Dezember 2009)

[Artikel @ Wikipedia]
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Die Bildgewalt ist einfach unglaublich.

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Detailierter und liebevoller kann eine dystopische Zukunftsmetropole nicht mehr gestaltet werden

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Han Solo sitzt in diesem Film nicht am Steuer...

Harrison Ford sitzt diesmal nicht am Steuer

...das macht schon eher dieser Herr

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