Maniac Mansion (PC)**

Game Status:
Durch (alle Lösungswege)

Irgendwann Anfang der 1990iger geriet ich mit der NES Version von MANIAC MANSION in Kontakt. Und dieser Kontakt brannte sich tief in mein Gaming-Bewusstsein ein. Noch nie zuvor hatte ich eine Spielerfahrung erleben dürfen, bei der eine coole und unterhaltsame Story erzählt, und ein interaktives Eingreifen ins Spiel so derart fesselnd umgesetzt wurden. Sprich: Es war mein erstes Point’n’Click Adventure.

Maniac Mansion parodiert gekonnt das B-Movie Horror Genre, nimmt sich selbst nicht ernst und versprüht einen Charme, den man auch heute noch selten in Computerspielen erleben darf. Ich hatte bei anderen Spielen zuvor das Storytelling nur als eine fix vorgegebene Linie erlebt, an der man sich von A nach B nach C etc. fortbewegt, die Geschichte an sich durch Texteinblendungen erzählt bekommt, selbst aber nur wenig Interaktions- und Entscheidungsmöglichkeiten hat. Bei Maniac Mansion wurde ich nun auf einmal schier erschlagen von Möglichkeiten!

In bester (oder besser gesagt, erster) Point’n’Click Manier durchsucht man das Haus des verrückten Wissenschaftlers Dr. Fred, der Sandy, die Freundin von Hauptcharakter Dave, entführt hat, um diese zu retten und Dr. Fred das Handwerk zu legen. Dabei kann man neben Dave zwei aus insgesamt sechs spielbaren Charakteren wählen, die einem bei dieser Aufgabe helfen. Diese haben verschiedene Fähigkeiten, mit denen die insgesamt vier verschiedenen Lösungsmöglichkeiten des Spiels zu erreichen sind. So können zB. nur Bernard und Jeff das kaputte Telefon reparieren, Syd  und Razor können am Klavier spielen, Michael ist Photograf und kann Fotos entwickeln und Wendy ist Journalistin und kann einen millionenschweren Buchvertrag an Land ziehen.

Was  mich nach wie vor am meisten an Maniac Mansion fasziniert, sind seine genialen Ideen und die zahlreichen Möglichkeiten, die das Spiel  auf Grund seiner offenen Struktur bietet. Als Kind hat es mich einfach umgeworfen, dass es in einem Spiel möglich ist, eine Kassette in einen Radiorecorder einzulegen, darauf dann ein selbst gespieltes Klavierstück aufzunehmen, welches man dann auf anderen Radios wiedergeben, und sogar einem Plattenlabel schicken, und dadurch einen Plattenvertrag abstauben konnte. Und das ist nur ein Beispiel der zahlreichen genialen Rätsel, die es in Maniac Mansion gibt. Ein persönlicher Pluspunkt für mich ist auch die Tatsache, dass es keine Kapitelunterteilung oder verschiedene Levels gibt, wie in den meisten anderen Point’n’Click Adventures. Ich mag es einfach viel mehr, mich in einer großen, zusammenhängenden Umgebung aufzuhalten, und diese nach und nach zu erschließen, als viele kleine, in sich abgeschlossene Gebiete nacheinander zu besuchen.

Die beeindruckende Vielfalt an Möglichkeiten (Maniac Mansion erschien 1987!) hat aber auch seine Schattenseiten. Das Spiel gibt keinen Pfad vor, und man kann das Haus quasi von Anfang an frei erkunden. Weiters findet man, egal in welcher Charakter-Konstellation man spielt, immer alle Gegenstände, was bedeutet,  dass viele Items für den eigenen Lösungsweg unbrauchbar sind, und einen ständig auf die falsche Fährte locken (“Red Hering”). Einige Gegenstände sind sogar völlig sinnlos, so wie die sagenhafte Kettensäge. Ich möchte gerne die Stunden zurück haben, die ich das Haus nach dem benötigten Benzin durchsucht habe. In  den informationslosen Prä-Internet Zeiten war ich überzeugt davon, das es irgendwo versteckt sein müsste, was es aber nicht ist. Außerdem gibt es zahlreiche (wenn auch witzige) Möglichkeiten, die Spielfiguren zu töten, was ein Beenden des aktuellen Spielstandes unmöglich machen kann. Zum Glück ist der Spielumfang genau genommen nicht recht groß, und wenn man bereits die Lösung der Rätsel weiß, kommt man sehr schnell voran. Ein Durchgang sollte dann in deutlich unter einer Stunde zu schaffen sein. Ist man jedoch ein Maniac Mansion Neuling, mit großer Geduld gesegnet, und verzichtet auf eine fremde Lösung so gut es geht, dann sollte man damit, auch auf Grund des hohen Wiederspielwertes, viele Stunden beschäftigt sein.

Klar, ich gebe zu, meine hohe Meinung von Maniac Mansion wird stark von Kindheitserinnerungen beeinflusst, die manch ein jüngerer Adventure Spieler vielleicht nicht mehr so ganz nachvollziehen kann. Maniac Mansion ist kein perfektes Spiel. Es ist dem heutigen Neuling relativ schwer zugänglich und die Rätsel sind teilweise knallhart. Hat man das Spiel aber verstanden und ist dem Charme erlegen, dann lässt es einen nicht mehr los. Maniac Mansion ist irgendwie wie ein guter, aber von Massenpublikum verpönter Film, der erst nach dem dritten Anschaun zündet – einen dafür dann aber sein Leben lang nicht mehr los lässt, und den man sich immer wieder ansehen kann. Maniac Mansion ist auch aus heutiger Sicht einfach außergewöhnlich, und hat trotz einiger Mängel die Qualitätmesslatte interaktiven Storytellings schon vor knapp 25 Jahren unglaublich hoch gelegt. Maniac Mansion ist ein Meilenstein der Videospielgeschichte, den man unbedingt gespielt haben muss.

humerisches Fazit:
65 – 90%
Viele Red-Herrings, unfaire Rätsel, spielerische Sackgassen und kaum Hilfestellungen werden den modernen Zocker schnell verzweifeln lassen. Die offene Struktur, die schräge B-Movie Story samt ihrer abgefahrenen Charaktere und die genialen Rätsel und Ideen suchen jedoch heute noch ihresgleichen.

[Artikel @ Wikipedia]
[<< LAST PLAYED Home ]

Dieser Artikel ist auch zu finden auf

Schreibe einen Kommentar!

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>