Silent Hill Shattered Memories (Wii)**

GAME STATUS:
Durch. Spielzeit: 09:04 Stunden

Sehr praktisch, dass ich vor einigen Wochen erst Silent Hill 2 (PS2) zum ersten mal erleben durfte, und jetzt der neueste Ableger der Serie erschienen ist. “Shattered Memories” ist gleichzeitig ein Remake des ersten Silent Hill (PS1) und ein Reboot der ganzen Serie. Einzig die Story dürfte sich mit Teil 1 halbwegs decken, der Rest ist völlig neu entworfen. So gibt es zB. keine Waffen im Spiel, die Taschenlampe und das Smartphone (!) des Protagonisten machen einen großen Teil des Gameplays aus und das Spielgeschehen passt sich individuell an die Psyche des Spielers an. Realisiert wird dies dadurch, dass die Spielsequenzen eigentlich Erinnerungen darstellen, die einem Psychater vorgetragen werden, und man während der Sitzung immer wieder kleine Psychotests erledigen muss, die dann den Spielverlauf mehr oder weniger beeinflussen.

Die Grafik und der Sound sind für Wii Verhältnisse echt grandios, vor allem das Licht-Schatten Spiel kann beeindrucken und die Animationen der Charaktere wirken sehr realistisch. Die Inszenierung der Cutscenes ist auf hohem Niveau, die Dialoge sind glaubwürdig und durchdacht und die (englische) Sprachausgabe ist ohne Makel. Von technischer Seite her gibt’s also vollstes Lob. Aber auch die innovativen Ideen verdienen Applaus, denn was sich die Climax Studios hier alles einfallen lassen haben, hat man in dieser Form bei einem Videospiel nur selten gesehen. Zum einen passt sich, wie bereits eingangs erwähnt, der Spielverlauf an das Verhalten des Spielers an, je nachdem wie die kleinen Tests des Psychaters gelöst werden und wie man sich im Spiel verhält. Leider hat dies fast nur Auswirkungen auf das Ausehen und Verhalten der Charaktere, die man im Spiel trifft, und nicht wirklich auf den Spielverlauf selbst. Das Spiel wird nämlich, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, immer in den gleichen Pfaden ablaufen, egal wie man spielt. Mir persönlich ist das leider ein bißchen zu wenig Ansporn, Silent Hill – Shattered Memories mehrmals durchzuspielen. Es wird übrigens während des Spiels ein psychologisches Profil vom Spieler erstellt, das während des Abspanns präsentiert wird. Ich muss sagen, ich war überrascht, wie genau dieses Profil auf mich selbst zugetroffen hat. Riesen Respekt an die Entwickler für die Umsetzung der Psychoanalyse Komponente des Spiels!

Die Wii Bewegungssteuerung wird zahlreich auch meist sehr sinnvoll eingesetzt, auch wenn die meisten Greifen-und-Bewegen Aufgaben keine wirkliche Herausforderung darstellen. Insgesamt steuert sich das Spiel sehr gut.

Die zweite Innovation von Silent Hill – Shattered Memories ist das Smartphone, dass als alleiniges Ingame Menü dient. Damit kann man telefonieren, fotografieren, Nachrichten abrufen, das Spiel speichern und die Karte aufrufen. Das Fotografieren von ab und zu erscheinenden Geistergestalten erinnert etwas an die Project Zero Serie und das Telefonieren orientiert sich an GTA. Während des Spiels sammelt man zahlreiche Mitteilungen und Sprach Memos, die zumeist Erinnerungen an vergangene Geschehnisse in Silent Hill beinhalten, was die trostlose Stadt ein wenig mit Leben füllt. Ich fand diese Mitteilungen aber  nicht sehr stimmig, weil man einfach keinen Bezug zu den zahlreichen Personen hat, die genannt wurden. Das Telefonieren ist aber ein cooles Feature, und oft ist man mit Rätsel konfrontiert, deren Lösung man nur durch Telefonate erfahren kann. Und wenn in einem dunklen Gang plötzlich das Handy zu klingeln beginnt, rutscht einem vor Schreck fast immer das Herz in die Hose. Leider ist die Kartenfunktion sehr umständlich und unübersichtlich, was vor allem in den Albtraum Sequenzen frustig ist.

Was mich leider zur dritten Innovation des Spiels bringt: Man kann nicht kämpfen. An bestimmten Stellen des Spiels friert die Umgebung zu (Das Äquivalent zu den Rost-und-Blut Dimensionswechsel der alten Silent Hill Spiele) und man kann nichts tun, außer vor den plötzlich auftauchenden Gegnern zu flüchten oder sie kurze Zeit durch selten auffindbare Fackeln einzuschüchtern. Die Spielmechanik erinnert ein wenig an Mirrors Edge, denn Neon-Blau leuchtende Türen und Kanten zeigen an, wo man auf seiner Flucht als nächstes hinsprinten kann. Eigentlich eine sehr gute Idee, die, wenn sie gut umgesetzt wäre, sicher für Panik und Angstschweiß sorgen würde. Aber leider sind diese Albtraum Passagen enorm frustig geraten. Durch die schon erwähnte, bescheidene Kartenfunktion hat man keinen Überblick über das Szenario, und die Möglichkeit, sich vor den Gegnern zu verstecken, hilft in den meisten Fällen nicht wirklich weiter, weil man eh in kürzester Zeit entdeckt wird. Wenn man einfach auf gut Glück blindlings drauf los läuft, schafft man die Sequenzen schon irgendwann, und ist froh, die absolut nicht gruselig, oder Silent Hill typisch verstörenden Gegner, die ständig extrem nervend Herumkreischen, endlich hinter sich gelassen zu haben. Ganz klar: Die Albträume sind der absolute Schwachpunkt des Spiels und der Hauptgrund, warum ich es so schnell nicht mehr spielen werde. Ich fand sie einfach nur lästig und nervtötend.

Sehr schade eigentlich, weil der Rest des Spiels ist echt gut und beinhaltet viele sehr gute, und vor allem frische Ideen. Obwohl natürlich schon erwähnt werden muss, dass Silent Hill – Shattered Memories kein reines Gruselspiel sein will, dass ausschließlich durch Horrorinhalte Angst auslöst, sondern eher auf die Psyche des Spielers abziehlt. Ob das gelingt, muss aber ein jeder Spieler für sich entscheiden.

Respekt, Respekt, Respekt an die Entwickler, dass sie so viel Mut bewiesen haben, der Silent Hill Serie eine derartige Frischzellenkur verpasst zu haben. Die neuen Features sind, bis auf die Albtraumsequenzen, sehr gut und bisher bei Spielen nur sehr selten zu sehen gewesen. Die Story ist hervorragend und mitreißend, und auch die technische Umsetzung tadellos. Wären da nicht diese, im wahrsten Sinne, spielbaren Albträume. Die haben mir den Spaß am Spiel gehörig verdorben. Wirklich sehr schade, denn in diesem Fall hätte ich Tradition vor Innovation gestellt, und ein herkömmliches Kampfsystem bei weitem besser gefunden. Unterm Strich bleibt aber ein außergewöhnliches Spiel, dass sich vom Rest der derzeitigen Titel stark abhebt, aber auf Grund des Flucht-statt-Kampf Features halt nur bedingt Spaß macht. Für einen Preis von knapp 30,- Euro sollte man aber auf jeden Fall einen Blick riskieren.

humerisches Fazit:
71 – 85%
Extrem nervige Flucht Sequenzen mit schrecklichem Gegner Sound Design trüben den sonst sehr gelungenen Silent Hill Reboot, das vor allem durch sehr  gutes Story Telling begeistern kann. 

[Artikel @ Wikipedia]
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