Bioforge (PC)**

Ich weiß nicht warum genau, aber neulich kam mir ein SciFi Game Klassiker wieder in den Sinn: BIOFORGE, erschienen 1995 und entwickelt von ORIGIN, die sich unter anderen auch für die Ultima und Wing Commander Reihe veantwortlich  zeigten. Ich hatte Bioforge damals auf meinem guten alten 486 DX4 (100 Mhz und ca. 500 MB Festplatte!) gespielt und es blieb mir bis heute sehr positiv in Erinnerung – eine gute, sehr durchdachte Story, viele interessante Gameplay Ideen, für damalige Verhältnisse wahnsinnig dichte Atmoshphäre, und meine noch immer heiß geliebte, klassische Resident Evil-Steuerung mit fixen Kameraperspektiven und “Panzersteuerung” (Vielleicht verliebte ich mich damals  in die Resi Serie erst dadurch so richtig, weil ich das Gameplay schon von Bioforge her kannte?). Nun hab ich BIOFORGE dank DOSBox wieder durchgespielt und meine Erinnerungen an das Spiel haben sich bestätigt. Die Atmosphäre ist trotz der altersbedingten Technikschwächen unglaublich intensiv, was sicher zu einem großen Teil am sehr guten Sound Design und der fast durchwegs guten deutschen Sprachausgabe liegt. Die niedrige Auflösung 320×200 pixel macht es ehrlich gesagt aber schwierig, das Spiel auf modernen Monitoren im Vollbild zu spielen, und im Fenstermodus  vorm bunten PC Desktop geht halt einiges von der Stimmung verloren. Aber für damalige Verhältnisse ist Bioforge (erschienen1995) ein Augenschmaus, der Maßstäbe gesetzt hat: Die Figuren sind dank Motion Capturing einwandfrei animiert, die Render-Hintergründe sehr detailliert und die gelegentlichen kurzen Filmsequenzen stimmig inszeniert.

Doch das beste an Bioforge ist seine gute Science Fiction Story rund um einen Cyborg-wider-Willen, der sich ohne Gedächtnis  auf einer fremdenRaumstation wiederfindet, auf der es seltsame Machenschaften aufzudecken gilt. Die Hintergrundgeschichte wird nach und nach aufgedeckt, in dem man zahllose Logbücher und Computerterminals  nach Infos durchforstet oder den Funkgesprächen der Raumstation Crew lauscht. Doch was hier an Informationsmaterial geboten wird ist fast schon zu viel des Guten. Die Logbucheinträge sind oft elend lang, und manchmal sind wichtige Infos, wie Passwörter oder Anleitungen zum Lösen von Rätsel, mitten im Text versteckt, was einen dazu zwingt, sich durch das ganze Material zu ackern. Wen diese Spielfluss hemmende Leseflut aber nicht stört, der bekommt dafür jedoch eine gut durchdachte, sehr dichte, klassische SciFi Geschichte geboten. Das Gameplay ist sehr vielseitig, man kann neben dem klassischen Kampf per Fäusten und Füßen auch Laserwaffen abfeuern, Geschütztürme bedienen, Raumanzüge benutzen und zahlreiche Rätsel lösen. Beim Level Design haben die Hersteller nichts anbrennen lassen, es ist wirklich beeindruckend, mit welchen Herausforderungen man sich im Lauf des Spiels konfrontiert sieht.

Gepatzt hat man dafür leider gewaltig beim Schwierigkeitsgrad. Zum Einen ist die Steuerung derart träge, dass sogar das erste Resident Evil wie ein Casual Game für Großmütter wirkt. Beim Faustkampf kann man gerade noch erahnen, wohin der nächste Schlag geht, aber beim Abfeuern der Laserwaffen wird das Zielen zur Glückssache. Zum Glück ist der Actionanteil an Bioforge nicht sehr hoch. Zum Anderen ist das Spiel oft derart unfair und frustig, dass man die Entwickler am Liebsten verfluchen würde. So sind Passagen keine Seltenheit, in der man plötzlich und ohne Vorwarnung stirbt, sei es weil nach direkt nach einer Tür ein Abgrund auftut oder ein gefräßiges Monster wartet. Hat man ein Item übersehen oder schon verbraucht, oder eine Stelle im Spiel noch nicht besucht, kann man sogar in Sackgassen geraten, wo nur Neuladen eines älteren Speicherstandes hilft. Ohne Regelmäßigem Speichern geht bei Bioforge sowieso absolut nichts, denn der unerwartete Tod lauert an vielen Ecken. Die kniffligen Rätsel sind halt Geschmackssache. Im besten Kubricks-Knobel Stil müssen zahlreiche Türpanels und Sicherheitsterminals geknackt werden, was auf Grund von nur spärlichen Lösungshinweisen wirklich nicht ohne ist. Ich will ehrlich sein: Ohne dem Walkthrough aus dem Internet hätte mich Bioforge schon nach kurzer Zeit gern haben können. Ich vermute, den Entwicklern ist die Produktionszeit davon gelaufen, denn die Story endet mit einem recht faden Happy End leider viel zu aprupt und schreit förmlich nach einer Fortsetzung, welche mit BIOFORGE PLUS sogar geplant war, aber auf Grund schlechter Verkäufe und einer angespannter wirtschafltlichen Lage nicht fertig gestellt wurde.

Bioforge ist ein für damalige Verhältnisse technisches Meisterwerk mit einer unglaublich dichten Stimmung und einer packenden Science Fiction Story. Leider ist der Schwierigkeitsgrad auf Grund der trägen Steuerung und den zahlreichen unfairen Stellen sehr hoch ausgefallen, und nach dem aprupten Ende fühlt man sich etwas allein gelassen: Da hat man sich stundenlang in die reiche Welt von BIOFORGE eingelesen, hat 1000 Fragen, und dann soll’s das plötzlich schonwieder gewesen sein? Bioforge hätte meiner Meinung nach riesiges Potenzial für ein Remake oder sogar für ein Reboot einer ganzen Serie.  Die doch recht großzügige Bewertung bekommt Bioforge von mir hauptsächlich als Klassikerbonus und wegen der Dinge, die es richtig macht, denn die machen meiner Meinung nach alle Mängel wieder wett. Ein neueres Spiel hingegen dürfte sich so etwas jedoch aber nicht erlauben. Wer auf Science Fiction steht und gern mal als Cyborg ausserirdische Artefakte untersuchen will, während er von einem verrückten Wissenschaftler gejagt wird, der sollte schleunigst DOSBox installieren sich und BIOFORGE über Ebay & Co besorgen. Starke Nerven, Geduld und keine Abneigung vor 15 Jahre alter VGA 3D Grafik vorausgesetzt.

humerisches Fazit:
65 – 83%
Hakelige Steuerung, Sackgassen und ein unbefriedigendes Ende VS packende Inszenierung, interessante Story und gute Sprachausgabe.

[Artikel @ Wikipedia]
[Screenshots @ The Legacy]

[Review @ Powerplay 5/95]

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PS: Beim Installieren der Soundkarte (Wie kultig!) gab’s aber kleine Schwierigkeiten. Mit diesen Settings gelang es mir aber, Sound, Musik und Sprachausgabe zu aktivieren:

Sound: Soundblaster Pro/16/ASP, 0x220 , IRQ7, DMA1
Music: Soundblaster