Shadow Of Memories (PS2)**

GAME STATUS:
Mit A-Ending durch. Spielzeit: ca. 5 Stunden

Die Playstation 2 Ära war wirklich eine interessante Zeit, denn hier hatten die Entwickler offensichtlich noch mehr Mut (und anscheinend auch die finanziellen Mittel), spielerische Experimente zu wagen, als heutige Entwickler. SHADOW OF MEMORIES aus dem Jahr 2001 ist so ein Experiment. Aufmerksam wurde ich darauf, weil es gerade für die PSP neu aufgelegt wird, und das Spielprinzip für mich als alten Zeitreisefreak sehr interessant klang.

Shadow of Memories sieht auf den ersten Blick aus wie ein normales Adventure aus der frühen PS2 Ära, doch es unterscheidet sich gravierend von anderen Titeln seiner Zeit. Das Spiel ist extrem Storylastig, fast schon mehr ein interaktiver Film als ein Spiel im herkömmlichen Sinn. Ich fühlte mich vor allem gegen Schluss durchaus an Heavy Rain erinnert, obwohl sich die beiden Spiele doch sehr unterscheiden.

Aber was ist denn nun das Besondere an Shadow of Memories? Die Handlung findet sich in einer fiktiven, süddeutschen Stadt (inklusive deutscher Straßen-, Haus und Personennamen, auch in der englischen Version) statt, und man spielt einen jungen Mann namens Eike, der gleich zu Beginn des Spiels hinterrucks getötet wird. Doch anstatt ins Reich der Toten zu gelangen, wird Eike von einer mysteriösen Gestalt namens Homunculus mit einer Zeitmaschine ausgestattet und wieder ins Reich der Lebenden zurück geschickt – aber zu einem Zeitpunkt VOR seiner Ermordung. In den 8 Kapiteln des Spiels versucht man nun, Eike vor den Anschlägen des unbekannten Attentäters zu bewahren, in dem man dank der Zeitmaschine in die Vergangenheit reist, um die nötigen Schritte vorzunehmen, dass die Anschläge vereitelt werden. Ein Beispiel: Der Attentäter versteckt sich in den Ästen eines alten Baumes als er zuschlägt. Also muss man nun einige hundert Jahre in die Vergangenheit reisen und verhindern, dass der Baum überhaupt gepflanzt wird. In jedem Kapitel muss man nun einen Mordanschlag vereiteln und versuchen, den Attentäter ausfindig zu machen und zu stellen.

Das Ganze klingt jetzt leider etwas aufregender als es ist, denn der Spielverlauf ist leider extrem linear. Man hat kaum Handlungsmöglichkeiten außerhalb der Story, kann die hübsche Stadt kaum erforschen, und muss stets den vorgegebenen Weg gehen. Stichwort Interaktiver Film: Das Verhältnis von Spielszenen und Cutscenes ist schätzungsweise 20/80, und die Filmszenen dauern oft 5 Minuten und länger. Aber das ist eigentlich nicht so schlimm, denn die Story ist wirklich interessant und gut gemacht, obwohl doch einige der typischen Zeitreise-Logikprobleme das Bild trüben und manches etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen wirkt. Viel mehr stört mich aber die enorme Linearität der ersten 7 Kapitel. Es gibt  zwar einige Wahlmöglichkeiten, die sind aber selten und meist ohne große Konsequenzen. Erst im letzten Kapitel geht’s richtig rund, denn es gibt hier insgesamt 8 verschiedene Möglichkeiten das Spiel zu beenden, die sich teilweise enorm voneinander unterscheiden, aber alle in sich stimmig sind. Das wahre Potenzial der ganzen Geschichte erschließt sich eigentlich erst, wenn man alle Enden gesehen hat. Das letzte Kapitel ist es auch, dass durch den direkten Einfluss der Entscheidungen auf das Spielende an Heavy Rain erinnert. Aber das war auch schon die ganze Gemeinsamkeit.

Insgesamt ist aber leider zu wenig Spiel im Spiel. Die meiste Interaktion besteht im Grunde darin, so lange herumzulaufen, bis man eine Cutscene auslöst, und danach einen der seltenen, zuvor gefundenen Gegenstände benutzt. Meistens erhält man genügend Infos, um diese Aufgaben ohne große Probleme zu lösen, nur manchmal sind diese Hinweise so gut versteckt, dass man gleich mal eine Stunde planlos herumläuft, und keine Ahnung hat, wie es weitergehen soll. Kennt man aber den Lösungsweg bereits, und skipt die Zwischensequenzen, kann man das Spiel eigentlich in wenigen Minuten durchspielen, da es keine Gegner,  Geschicklichkeitsaufgaben oder ähnliches gibt, das einen aufhält. Wie gesagt: Es wirkt mehr wie ein interaktiver Film,  als wie ein Spiel.

Ich bin mir selber noch immer nicht so ganz sicher, was ich von Shadow of Memories nun eigentlich halten soll. Die Story ist sehr gut, die Inszenierung der Filmsequenzen und die Sprachausgabe sind trotz des hohen Alters des Titels ganz ok und die innovative Idee respektabel. Leider trüben die Einschränkungen im Gameplay und der großteils extrem lineare Spielverlauf das Gesamtbild. Mich persönlich stört halt auch die unlogische Umsetzung des Zeitreisens und einige damit verbundene Inkonsequenzen. Was Zeitreisen angeht, bin ich eben ein Freak 😉

Kurz: Ein ungewöhnlicher Titel, mit einem gewagten Konzept und einer interessanten Story, dessen Gameplay leider zu passiv ausgefallen ist, obwohl es im letzten Kapitel eine Menge an Entscheidungsmöglichkeiten bietet. Wer Ausgefallenes mag sollte Shadow of Memories (bzw. Shadow of Destiny auf der PSP) unbedingt mal anspielen, alle anderen werden wahrscheinlich von dem Spiel eher gelangweilt werden.

humerisches Fazit:
70 – 80%
Die Zeitreise-Logikprobleme, der sehr lineare Ablauf und insgesamt wenig Spiel im Spiel sind nicht jedermanns Sache. Aber das gewagte Konzept und die interessante Story verdienen eindeutig Aufmerksamkeit.

[Artikel @ Wikipedia]
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