Dead Space Extraction (Wii)**

Leider kam es in den letzten Jahren sehr selten vor, dass eine neue Spielmarke geschaffen wurde, mit der ich mich voll und ganz anfreunden konnte, sprich ein Fan davon wurde. Dead Space aus dem Jahr 2008 war eine solche Marke und hatte mich schon vom ersten Screenshot an gewonnen: Ein düsterer Science Fiction Shooter mit Survival-Horror Einschlag und einer gehörigen Portion Splatter. Sozusagen genau mein Ding, Baby. Doch vom faszinierendsten Aspekt von Dead Space ahnte ich im Vorfeld noch gar nichts: Dem Sound Design! Selten bzw nie zuvor lebte ein Spiel von einer dermaßen dichten Atmosphäre, die zu einem großen Teil vom Sound, und natürlich vom großartigen Soundtrack erzeugt wurde.

2009 erschien dann als Quasi-Prequel “Dead Space Extraction”  für die Wii, setzte aber nicht wie das Original auf eine 3rd Person Steuerung, sondern kommt im Gewand eines reinrassigen On-Rail Shooters, sprich man fährt wie auf Schienen durch die Levels und ballert alles nieder was sich bewegt. Klingt langweilig? Das dachte ich mir anfangs auch, aber Visceral Games, die Dead Space Macher, fuhren wirklich sämtliche Geschütze auf um die fünf Stunden Netto-Spielzeit gekonnt zu einer atemberaubenden Horror-Achterbahnfahrt werden zu lassen. Der große Vorteil dieses automatischen Vorankommens ist nämlich, dass sich die Dramaturgie uneingeschränkt cineastisch umsetzen lässt, und man ständig die Worte “spielbarer Film” vor Augen hat.

Die Interaktionsmöglichkeiten seitens des Spielers sind halt doch sehr eingeengt und beschränken sich hautpsächlich aufs schnell Reagieren beim Gegner Zerstückeln und Items Einsammeln. Ab und zu darf man zwischen mehreren Routen auswählen, meistens geht die alternative Reise aber nur zu optionalen Ausrüstungskammern um ein wenig Munition abzustauben und dann wieder zurück zur vorigen Abzweigung. Aber diese Linearität liegt halt dem Genre zugrunde – Schienen sind nunmal Schienen. Ich sehe darin aber keinen Nachteil, denn es wäre bei einem Spiel mit herkömmlichen Gameplay kaum möglich gewesen, die Story auch nur annähernd so dicht und fesselnd zu inszenieren. Man kann sich Dead Space Extraction wirklich wie einen fünf stündigen Sci-Fi Streifen vorstellen, bei dem man selbst in die Action eingebunden ist.

Vom technischen Standpunkt her lässt sich kaum etwas bemängeln. Sogar die oft strapazierte Phrase “Für ein Wii Spiel sieht es ganz gut aus” greift nicht so ganz, weil Dead Space Extraction die Schwächen der Konsole gekonnt umschifft und sich wirklich fast Next-Gen mäßig präsentiert Leider erinnern die relativ groben, aber dennoch sehr glaubhaften Charaktermodelle regelmäßig daran, dass die Wii nicht allzuviel Power unter der Haube hat. Das absolute Highlight des Spiels ist aber wie schon beim Vorgänger die akustische Präsentation. Sprachausgabe, Sound und Musik sind auf einem extrem hohen Niveau und machen die Dead Space Saga erst zu dem was sie ist. Allerhöchsten Respekt an Sound Designer Don Veca und sein Team.

Doch wie sieht es mit dem Wiederspielwert aus? Das On-Rail Shooter Genre hat seine Ursprünge in den Arcade Hallen und dort ging’s eben weniger ums freie Erkunden, sondern um den Kick des Augenblicks, das Adrenalin und natürlich die High Scores. Ich denke man muss schon ein großer Fan des Genres sein, um die Levels mehrmals zu spielen um seine vorigen Bestleistungen zu überbieten, denn abseits des cineatischen Miterlebens der Story und dem stets erhöhten Adrenalinbedarfs bietet sich kaum Motivation, sich wieder auf den Action-Horrror einzulassen. Das lieht aber wie gesagt am Genre selbst, und nicht an Dead Space Extraction, denn dieser Titel macht so ziemlich alles richtig und reizt die On-Rail Shooter Möglichkeiten bis aufs letzte aus.

Wii Besitzer, denen schon Dead Space 1 (Xbox 360, PS3, PC) gefallen hat, die eine gut erzählte Story zu schätzen wissen und die keine Abneigung vor rasanten Dauerfeuer Orgien haben, sollten, nein, MÜSSEN einen Blick auf Dead Space Extraction werfen. Die meiste Zeit vergaß ich einfach, “nur” vor einer Wii zu sitzen – was doch für jeden Core Gamer genug Grund für einen Kauf sein müsste. Die Spielzeit mit etwa fünf Stunden erscheint zwar auf den ersten Blick etwas kurz, aber man muss halt bedenken, dass man es quasi mit einem spielbaren, selbst ablaufenden Film zu tun hat und die Immersion des Spielers in die Spielewelt durch die On-Rail Mechanik auf einem Level ist, das sich mit anderen Genres kaum erreichen lässt. Natürlich vorausgesetzt, man kann mit dieser Art von Spiel etwas anfangen.

humerisches Fazit:
82 – 90%
Railshooter typisch wenig Freiheiten und kaum beeinflussbare Spielgeschwindigkeit. Gerade deswegen aber ernorm spannender Spielablauf und sehr gute Inszenierung plus tollem Sound und guter Grafik.

[Artikel @ Wikipedia]
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