Alan Wake (360)**

Game Status:
Durch (Normal)
Dauer: 12 Stunden

Fünf Jahre Entwicklungszeit haben sich die Finnen von Remedy für den “Psychological Action Thriller” Alan Wake gegönnt, welches im Mai 2010 erschienen ist. Von den Kritikern wurde es gelobt, aber anscheinend von den Käufern verschmäht, was vielerlei Gründe haben könnte. Mit etwas Verspätung legte ich nun selbst Hand an Alan Wake und denke, den Grund dafür gefunden zu haben: Es ist einfach kein sonderlich gutes Spiel.

Da bereits viel über Alan Wake geschrieben wurde möchte mich hier eher kurz halten. Was hat mir also an Alan Wake gefallen?

Das SOUND DESIGN ist großartig, hier haben Remedy alles richtig gemacht. Die von Fernseh Serien inspirierte EPISODENFORM gefällt mir und hat Charme. Das SETTING passt im großen und ganzen, die STORY ist frisch und durchdacht und die Verweise auf verschiedene Themen der POPKULTUR gefallen. Die GRAFIK ist (abgesehen von der Charakter Mimik) sehr ansehlich und vor allem die LICHTEFFEKTE können begeistern. Einige Sequenzen sind WUNDERBAR GESCRIPTET, es geht richtig unter die Haut, wenn man beispielsweise vor der Polizei flüchtet und völlig passiv mit ansehen muss, wie die bösen Mächte die halbe Polizei Armee samt Wald auseinander nehmen. Das KAMPFSYSTEM ist zumindest neu. Die Idee, durch gefundene Manuskript Seiten und TV Sendungen Dinge zu erfahren die ERST PASSIEREN werden, ist wirklich gut, nutzt sich aber wie fast alles im Spiel bald ab.

Leider ist es schon an der Zeit zu den negativen Punkten zu kommen:

Das KÄMPFEN. Ich könnte damit leben wenn es nur eintönig wäre, aber ich hasse es, wenn es UNFAIR wird! Ständig wird man von der Seite und von hinten sogar von mehreren Gegner angegriffen, ohne dass man etwas dagegen machen könnte, weil man diese schlicht und einfach nicht sieht! Das Spiel hat hier keinerlei Hilfestellungen eingebaut, kein “Feindesradar”, kein Indikator am Bildschirmrand der vor Feinden warnt, kein zurück Zoomen der Kamera um zumindest sehen zu können, dass man angegriffen wird. Das Argument “Die Kämpfe sind halt fordernd” zieht meiner Meinung nach nicht, weil ein Spiel unfair zu designen, und dies halt als “herausfordernd” zu rechtfertigen ist amateuerhaftes Game Design, sorry. Amateurhaft ist auch die STEUERUNG wenn es auf Genauigkeit und SPRINGEN ankommt. Vielleicht stimmt ja was mit meinen Fingern nicht, aber wenn ich über einen kleinen Steg laufen will, und die Spielfigur abstürzt und stirbt, wenn man auch nur einen Millimeter neben dem Pfad läuft, dann ist das meiner Meinung nach einfach nur steuerungstechnischer Pfusch. Bei Alan Wake passierte es mir sowieso einige Male, dass ich gestorben bin, ohne genau zu wissen warum. Das macht einfach keinen Spaß.

So gut die STORY auch sein mag, so FLACH ist sie auch umgesetzt. Die CHARAKTERE sind durchgängig stereotyp, eindimensional und lieblos gestaltet, so dass ich kaum bis gar nicht mit deren Situation mitfühlen konnte. Bei einem normalen Spiel mag das nicht so ins Gewicht fallen, aber bei einem “Psychological Action Thriller” würde ich mich gerne selbst mitten im Setting befinden und mit den Figuren mitfiebern. Das Spiel wirkt für mich aber ähnlich seelenlos wie viele der modernen Hollywood Filme, an welchen sich Remedy offensichtlich orientiert haben. Die MIMIKEN der Charaktere sind noch dazu sehr hölzern, was den Figuren zusätzlich zu deren Uninteressantheit noch ein sehr puppenhaftes Aussehen gibt. Der ZEITLUPEN Effekt in den Cutszenes wird außerdem viel zu oft eingesetzt, was für mich so wirkt, als wollten die Macher das Spiel um jeden Preis auf trendy und stylish polieren. Ist meiner Meinung nach nach hinten los gegangen und wirkt nur aufgesetzt.

Das extrem LINEARE Level Design und der  Umstand, dass es KAUM etwas zu ERFORSCHEN gibt, stieß mir auch eher negativ auf. Laufen, einsammeln, laufen, einsammeln, laufen, Cutscene, kämpfen (Gähn bzw Frust!), laufen, einsammeln, Schalter drücken, Cutscene, laufen, einsammeln, kämpfen, laufen, einsammeln, laufen, kämpfen. Es gibt zwar 100 “versteckte” Items (KAFFEKANNEN) zu finden, jedoch sind diese absolut nicht relevant fürs Spiel, da man außer ein Achievement absolut keinen Vorteil vom Aufsammeln erhält. Die MUSIK ist objektiv betrachtet zwar ok, aber wie vieles im Spiel charakterlos und abgenutzt. Hat man genau so schon in 1000 Filmen und 100 Games gehört. Die Musikauswahl bei Kapitelende ist hingegen sehr gelungen.

Eine interessante Idee, ein frisches Setting, eine durchdachte Story und ein innovatives, frisches Kampfsystem wären eigentlich Zutaten für ein großartiges Spiel. Leider haben Remedy schlicht und einfach auf die ESSENZ des Mediums SPIEL vergessen: DEN SPIELSPASS! Durch das öde und langweilige Gameplay und durch die nervigen, trägen und unfairen Kämpfe machte mir Alan Wake einfach keinen Spaß. Wenn Remedy die Welt schon mit einer so epischen und erzählenswerten Story bereichern wollen, dann hätten sie doch lieber gleich einen Film machen oder ein Buch schreiben sollen. Aber ein Spiel zu machen, das keinen Spaß macht, ist wie Musik zu komponieren, die nur aus falschen Tönen besteht: Es ist zwar streng genommen Musik, wird aber nur wenig Spaß beim Hören machen.

humerisches Fazit:
55 – 81%
Es gibt die einen (wie mich), die die Kampfsteuerung grottenschlecht, die cineastischen Momente amateurhaft, die Story öde und den Spielablauf langweilig und repetitiv finden. Und es gibt diejenigen, die es genau gegenteilig sehen. End of Story.

[Artikel @ Wikipedia]
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