Demon’s Souls (PS3)*

Von Demon’s Souls hörte ich das erste mal in einem GameOne TV Beitrag, wo der äußerst knackige Schwierigkeitsgrad, die übermächtigen (End)Gegner, die wenigen Rücksetzpunkte und die innovative Onlinefunktion hervorgehoben wurden. Irgendwie machte das Spiel auf mich den Eindruck eines Dungeon-Crawlers, bei dem man die meiste Zeit unter Tags verbringt und in dunklen, eher langweiligen Labyrinthen gegen möglichst schwere Gegner bestehen muss. Mein Interesse an einem Spiel dieser Art war auf jeden Fall gleich null. Als Arbeitskollegen den lieben langen Tag aus dem Schwärmen für Demon’s Souls nicht herauskamen, gab ich mir einen Ruck und holte es mir halt auch. Meine PS3 ist sowieso chronisch unterfüttert. Anspielen schadet nicht und gekostet hat’s auch nicht die Welt. Ich wollte nur mal kurz schauen, von was die Kollegen da so sprechen, mit wenig Hoffnung dass es ein Spiel für mich sein würde.

Wie falsch ich doch lag. Inzwischen hat sich Demon’s Souls zu meinen persönlichen Highlight der letzten Jahre gemausert. Wie es soweit kommen konnte, und wie Demon’s Souls das schaffen konnte, versuche ich anhand eines kleinen Tagebuchs anschaulich zu machen. Have Fun!

Spielzeit: 00:00 – 00:20
Aha. Beeindruckendes gerendertes Introvideo mit viel Fantasyzeugs, Rittern und Monstern. Fängt schon mal gut an. Als nächstes den obligatorischen Helden zusammenzimmern. Hmm, was nehmen wir? Auf Ritter in voller Rüstung steh ich nicht so, Magier ist auch nicht so meins. Der Räuber sieht ok aus. Fähigkeiten scheinen auch zu passen. Den nehm ich. Wah, trotz 15 Minuten im Chara-Editor schaffe ich es nicht, dem vorgefertigten Gesicht seine Hässlichkeit zu nehmen. Egal, Räuber verstecken es eh hinter einer art Mundschutz.

00:20
Ah, los gehts. Ein Tutorial Abschnitt. Jetzt wirds spannend. Mal im Beschreibungsheft schauen was man alles so kann. Pfuh, das ist ja einiges. Kann ich mir jetzt auf Anhieb nicht merken. Ich spiel mal einfach drauf los und schau wie es sich anfühlt. Ah, wird eh Ingame auch erklärt. Schlagen mit L1, ausweichen mit Kreis und Gegner anvisieren mit L3 – ganz wie bei Zelda, sehr schön. Die KI der Gegner scheint ok zu sein, recht schwierig sind sie aber noch nicht. Demon’s Souls fühlt sich nett an inzwischen. Erinnert ein wenig an Oblivion, nur geradliniger und mit besserem Kampfsystem. Da, plötzlich! Ein riesiger Ork-Troll-WasWeisIch Endgegner. WUMMS. Und ich bin tot. Ok, das war unvermeidbar und gehört zum Tutorial. Ich wache im so genannten “Nexus” wieder auf und bin anscheinend ein Geist. Ich scheine die gleichen Fähigkeiten zu haben wie zuvor, aber nur die Hälfte der ursprünglichen Energie. Der Nexus scheint die Hub-Welt zu sein, in der ich später zu den Levels reisen kann. Im  Moment kann ich nur Level 1 betreten, bei einem Händler einkaufen und unnötige Gegenstände deponieren. Na gut, dann mal los ins erste Level.

00:50
Ah, nix da mit Dungeon-Crawler. Ich starte im Freien vor einer riesigen, beeindruckenden Burg. Keine Hintergrundmusik, nur Atmo. Ich laufe den Weg entlang und mehrere Gegner springen mir entgegen. Ausweichen durch Anvisieren und zur Seite lenken und die Bösewichte durch einen Schlag von hinten zur Strecke bringen klappt gut. Laut Beschreibung gibts auch einen mächtigen Konterschlag. Gelingt mir aber nur selten. Egal, mit vorgehaltenem Faust Schild, Ausweichen und von hinten zuschlagen gehts eh ganz gut voran. Trotzdem bin ich tot bevor ich noch um die erste Kurve gekommen bin. Ok, es ist wahr. Alles nochmal, ganz vom Anfang an. Und bisher gesammelte Seelen sind auch futsch. Und ich sterbe natürlich an der selben Stelle nochmal. Wie geht das mit dem Heilen nochmal? Ah, Steuerkreuz nach unten durch die Items schalten, dann mit der Quadrat Taste Item benutzen. Trotzdem sterbe ich auf der ersten Gerade in Richtung Burg mehrere male, komme aber jedesmal ein klein wenig weiter. Trotzdem bin ich komischerweise kaum frustriert. “Beim nächsten mal schaffst du es” sage ich mir.

01:15
Inzwischen bin ich schon einige Ecken weiter und kenne die Angriffe der Gegner schon ganz gut auswendig. Was sind das da denn überall für Blutlacken? Wenn man auf ihnen steht und X drückt, erscheint eine rote Geistgestalt und läuft umher. Kann man so andere Online Spieler wieder zum Leben erwecken nachdem sie gestorben sind? Muss ich auch von anderen Spielern erweckt werden?

01:30
Den Anfangsabschnitt des Levels beherrsche ich schon halbwegs, ganz klar komme ich mit der Steuerung aber noch nicht. Sobald ich ins innere des Turms komme, werde ich in einem Treppenhaus Abschnitt regelmäßig von mit Feuer bewaffneten Gegner gekillt. Ich brauche mal eine Pause und nehme mir das Beschreibungsheft und das praktische Wiki auf der offiziellen Demon’s Souls Seite vor. Interessant! Level 1.1 gehört praktisch noch zum Tutorial, erst danach öffnen sich die anderen Welten und ich werde meine Fähigkeiten verbessern können. Außerdem wird auch dort erwähnt, dass es ruhig 1,5 – 4 Stunden dauern kann, bis man die Steuerung und das Spielprinzip verinnerlicht hat. Na dann, weiterüben!

02:00
Ah! Die Blutflecken zeigen die letzten Sekunden vor dem Ableben von anderen Spielern. Sehr nette Idee! So kann man in neuen Gebieten schon mal schauen, wie andere Spieler verunglückt sind, um selbst davon zu lernen. Inzwischen habe ich auch schon ein paar Nachrichten geschrieben. Einfach Select drücken und aus einer Menge vorgefertigter Nachrichten wählen. Diese Nachricht ist dann für alle anderen Spieler zu sehen und kann von denen sogar bewertet werden. Nachrichten mit vielen Bewertungen sind vermutlich hilfreicher als blödsinniger Spam.

03:00
Inzwischen hab ich das feurige Treppenhaus halbwegs intus. Plötzlich rollt mir eine riesige Kugel entgegen. Ich weiche aus, und die Kugel zertrümmert hinter mir ein paar Balken. Haha! Nun kann ich zu einem früheren Abschnitt runterspringen und so einen neuen Gegenstand ergattern, der vorher nicht erreichbar war. Schon langsam ändert sich mein Eindruck vom Spiel. Es scheint gar nicht so geradlining zu sein wie befürchtet, überall gibt es versteckte Bereiche und Tore, die anscheinend erst später geöffnet werden können.

03:30
Endlich bin ich am Dach des Treppenhauses und sehe mich einigen sehr starken Gegnern gegenüber. Nach links gehen oder nach rechts? Ich probiere rechts aus. Nach mehreren Toden schaffe ich die Gegner und sehe auf einem schmalen Gang einen Ritter mit roten Augen. Ups, ein schwerer Schwerthieb nimmt ihm nur ganz wenig Energie, hier bin ich eindeutig falsch, nix wie weg. Argh, der Typ verfolgt mich quer durch das ganze Level. Tot. Ok, hier muss ich erst später hin. Seine gesammelten Seelen bleiben übrigens an der Stelle liegen, an der man gestorben ist und können beim nächsten Versuch wieder aufgesammelt werden. Blöd ist nur, wenn man direkt bei einer sehr schweren Stelle stirbt und später nicht mehr so dicht ran kommt.

04:00
Aus, ich bin zu schwach, ich brauche neue Waffen. Also spiele ich den Anfangsteil des Levels so lange, bis ich mir eine Streitaxt leisten kann.

05:00
Super, die Axt ist zwar sehr stark, aber auch sehr träge. Ich merke schnell, dass ich mit dem normalen Schwert doch besser voran komme.

06:30
Inzwischen ist auch der linke Weg über dem Treppenhaus gemeistert. Seine Waffe mit Terpentin entzünden bringts! In einem neuen Treppenhaus schneide ich auf einem Balkon zwei Seile durch und zwei Leichen fallen hinunter. Auf dem Weg nach unten sterbe ich erneut. Beim nächsten Versuch sehe ich dann gleich am Anfang die Leichen am Boden liegen und plündere mal, sie haben aber nix brauchbares dabei. Ich bin mal etwas frustriert und hab die Lust vorerst verloren.

07:00
Mein Arbeitskollege erzählt mir, dass ich kurz davor war, eine Abkürzung freizuschalten, was mich wieder motiviert. Und wirklich, einige Treppen unter dem besagten Balkon ist ein Hebel, der eines der Tore gleich zu Beginn des Spiels öffnet und eine praktische Abkürzung aufs Dach darstellt. Ich bin wieder voll motiviert.

07:30
Ich bin endlich weiter. Unter mir ist ein Sims mit einer seltsamen Statue. Ich springe trickreich hinab und die Statue entpuppt sich als gefangener Ritter! Dieser ist äußerst dankbar über seine Rettung, springt hinunter und metztelt im Alleingang die Gegnerhorden nieder. Mir wird immer klarer, das hinter Demon’s Souls weit mehr steckt als ich auch nur im Geringsten geahnt habe. Ich folge dem Ritter und wir kämpfen uns gemeinsam voran. Sehr cool.

08.45
MAGIC MOMENT. Nachdem ich einige Eisenkugeln über dutzende Gegner rollen hab lassen, verschlägt es mir die Sprache. Weit entfernt im Hintergrund sitzt ein wunderschöner Drache auf einem Berg und peitscht mit seinem mächtigen Schweif. Dieser Anblick beeindruckt mich tief und spätestens jetzt liebe ich Demon’s Souls kompromisslos. Ich gehe weiter und schleiche mich direkt zu dem Drachen. Plötzlich erscheint ein zweiter Drache, der den ersten (das Weibchen?) offensichtlich beschützt und mit seinem Feueratem alles verkohlt was in die Nähe kommt. Da trau ich mich mal nicht weiter und gehe zurück. Vor mir ist eine lange Brücke mit duzenden Gegner. Ich nehme all meinen Mut zusammen und schreite auf diese zu. Plötzlich braust der (männliche?) Drache heran und setzt mit seinem Feuer die ganze Brücke in Brand – inklusive aller Gegner und mir. Ich bin nervlich völlig am Ende und brauche erst mal eine Pause.

09:00
Mein Arbeitskollege erklärt mir, dass der Drache vorerst nicht besiegbar ist und ich zwischen seinen Angriffen schnell über die Brücke laufen muss. Ich habe das Level fast geschafft und somit den wahrscheinlich schwierigsten Teil von Demon’s Souls fast hinter mir. Das motiviert mich natürlich und tatsächlich finde ich wenig weiter hinter der Brücke einen Hebel, der das große Tor gleich am Beginn des Levels öffnet, aus dem sogleich ein riesiger Speer heraus schießt und im Boden stecken bleibt. It’s Endboss Time. Etwas feige schaue ich im Wiki nach und erfahre, dass er mit Feuerangriffen kein Problem sein dürfte.

09:45
Nach ein paar Testanläufen ist der erste Endboss besiegt. Ich bekomme eine Menge Seelen und einen neuen Rücksetzpunkt und Eingang zum Nexus. Nach fast 10 Stunden hab ich endlich Level 1.1 geschafft. Jetzt beginnt Demon’s Souls erst richtig.

10:00
Im Nexus begrüßt mich eine neue Person in Form einer netten Dame. Sie meint, ich solle “den Gewaltigen” aufsuchen, währen die Kamera empor steigt und eine riesige Statue im Zentrum des Nexus’ zeigt. Ich sag nur: Sehr witzig, liebe Game Designer 🙂 Nachdem ich einige neue Hintergründe zur Story erfahren habe, gehts wieder nach unten, wo ich endlich meine Fähigkeiten aufrüsten kann. Es gibt keine XP Punkte oder so sondern nur die Seelen als einzige “Währung”. Damit kann man Waffen kaufen, reparieren, aufrüsten und gleichzeitig seine Fähigkeiten aufstocken. Was jedesmal um gut 100 Seelen (oder mehr) teurer wird. Ich befürchte, dass später wildes Grinding angesagt sein wird. Ich verlasse den Nexus wieder Richtung Level 1.2.

10.15
Wo ich zuvor den Endboss besiegt habe geht’s nun weiter. Ah, der Drache kehrt zurück. Insgesamt 3 Brücken/Mauern unter freiem Himmel warten auf mich, ständige Drachenangriffe inklusive. Tot. Tot. Tot. Bald finde ich einen unterirdischen Weg, der aber insgesamt länger dauert als wenn ich mich auf der Mauer entlang kämpfe und dem Drachen einfach ausweiche. Kurz vor dem Ende des 3. Abschnittes stehen mächtige Gegner an denen ich mich nicht vorbeischleichen kann. Während ich versuche diese zu bekämpfen, grillt mich der Drache. Tot. Tot. Tot.

10:45
Mein Arbeitskollege sagt mir, dass man den Drachen mit gut 150 Pfeilen töten kann. Also grinde ich eine Weile Seelen und kaufe mir um 2000 Stück genügend Pfeile. Die nächsten 20 Minuten beschieße ich den Drachen. Pfeile sind aus, Drache speit munter weiter Feuer. Genug für heute. Morgen probier ich nochmal die mächtigen Gegner am Ende der Mauer mit Brandbomben, Wurfmessern und Terpentin zu töten.

To be continued…

[Artikel @ Wikipedia]
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