Metroid 2 (3DS/GB)**

Metroid II – The Return of Samus war damals eines meiner ersten Gameboy Spiele, und wahrscheinlich mein erstes “Core-Game”, wie man diese Gattung Spiel heute nennen würde. Ich kam mit dem Spiel genau zu der Zeit in Berührung, als ich auch die Alien Filme für mich entdeckte, was meine Hingabe zu Metroid II sicher noch bestärkte. Science Fiction, eine einsame, ausserirdische Welt, unheimliche Monster und viel zu erforschen waren genau nach meinem Geschmack. Apropos Hingabe, diese ist für den Titel unbedingt notwendig, denn aufgrund des Fehlens einer Karte war damals auswendig lernen und/oder eine eigene Karte zeichnen angesagt (Was ich natürlich getan hatte, ein Scan wird hier  nachgereicht, sobald ich die alten Karten wieder aufgetrieben habe 🙂 ).

Der moderne, von allerlei Spielhilfen verwöhnte Gamer wird mit dem kürzlich auf dem 3DS eShop erschienen Spiel aber vermutlich wenig anfangen können. Ein relativ kurzer Umfang, eine nur karg designte Spielwelt und, wie gesagt, keinerlei Karte oder Wegfindungshilfen machen Metroid II zu einem nur schwer zu fassenden Irrgarten. Doch der Reiz des Titels geht gerade von seiner Reduziertheit und seiner kompromisslosen Natur aus. Diese Art von Game Design kann die Spielerfahrung (wie tausende Spieler zurzeit bei Demon’s Souls und Dark Souls wiederentdecken) ungemein steigern, weil man sich wirklich verloren im Labyrinth fühlt, und man bei Munitions- und Energiearmut einen Spielfehler bitter bereuen kann. Man hat einfach Respekt vor dem Spiel, das dabei aber niemals unfair ist.

Über das Spiel selbst gibt es nicht viel zu sagen. Man irrt durch ein relativ lineares Höhlen Labyrinth, muss zahlreiche Sprungpassagen meistern, rüstet seinen Anzug nach und nach mit den Serien typischen Gimmicks auf, hält die einem feindlich gesonnene Tierwelt des Planeten in Schach und vernichtet zahlreiche Variationen aller dort lebenden Metroids. Dabei variiert die grafische und akustische Ausgestaltung der Abschnitte leicht voneinander, was einem trotz fehlender Wegführungshilfen und einer Karte trotzdem ein Gefühl des Fortschrittes verschafft und manchmal sogar so etwas wie den Ansatz einer Story erzählt. Die bereits angesprochene Kargheit vermittelt aber überraschender Weise niemals das Gefühl, dass die Designer aus Faulheit oder wegen beschränkter technischer Mittel hier so wenig Abwechslung eingebaut haben, sondern bestärken das Gefühl von Isoliertheit in einer fremden, feindseligen – und eben kargen Umgebung.

Ich hatte nach so langer Zeit so meine Bedenken, ob ich Metroid II heute noch immer bzw. wieder genießen kann. Und wie ich es konnte! Unglaublich, wie mich ein Spiel mit derart simplen technischen Möglichkeiten wieder in seinen Bann zog. Je näher der Showdown rückte, desto intensiver fesselte mich die unvergleichliche Atmosphäre, vor allem wegen des fast schon avandgardistischen und clever eingesetzten Musik/Sound Gefüges.

Wem kann ich Metroid II denn nun empfehlen? Fans des so genannten “Metroidvania” Genres könnte die wenige Abwechslung und die Schlichtheit des Spiels bitter aufstoßen, das niemals auch nur in die Nähe eines Super Metroid gelangt. Wer aber auf der Suche nach einer einzigartigen, athmosphärischen Retro-Erfahrung ist, und wer den Mut hat, 3-5 Stunden in ein 20 Jahre altes, monochromes Gameboy Spiel zu stecken, der soll Metroid II eine Chance geben. Aber unbedingt mit aktiviertem Ton spielen, am besten über Kopfhörer, denn sonst geht der Großteil der Erfahrung verloren. Und eine Karte im Internet suchen kann sicher auch nicht schaden 😉

humerisches Fazit:
70 – 88%

Wer auf den Charme nicht anspricht, wird wahrscheinlich eher gelangweilt und auf Grund der fehlenden Karte schnell frustriert sein. Wer sich aber darauf einlässt, erntet 3-5 athmosphärische und packende Stunden.

[Artikel @ Wikipedia]
[<< LAST PLAYED Home ]